Welche Druckluftqualität nach ISO 8573 brauche ich wirklich?

Druckluftanlage mit zentraler Aufbereitung und zusätzlicher ISO-8573-Aufbereitung am kritischen Verbraucher

„Wir brauchen ölfreie Druckluft.“ Diesen Satz hören wir besonders häufig aus der Lebensmittelproduktion, Pharmaindustrie und aus High-Tech-Anwendungen. Für eine belastbare Planung reicht diese Angabe allerdings noch nicht aus. Die ISO 8573-1 beschreibt Druckluftqualität über Klassen für Partikel, Wasser und Öl. Deshalb müssen wir zuerst klären, welche Druckluftqualität nach ISO 8573 der jeweilige Prozess tatsächlich benötigt – und an welcher Stelle sie nachgewiesen werden soll.

Druckluftqualität nach ISO 8573: Muss das ganze Netz dieselbe Klasse erreichen?

Nein, nicht automatisch. Die geforderte Druckluftqualität muss zur jeweiligen Anwendung und zum vereinbarten Messpunkt passen.

Wenn beispielsweise nur ein einzelner Verbraucher eine strengere Klasse benötigt, kann eine zusätzliche Aufbereitung direkt an dieser Stelle technisch und wirtschaftlich sinnvoller sein. Dadurch muss nicht zwingend das komplette Druckluftnetz auf die höchste geforderte Klasse ausgelegt werden.

Allerdings wäre auch diese Lösung nicht pauschal richtig. Deshalb betrachten wir immer den konkreten Prozess, den Volumenstrom, das Rohrnetz und die vorhandene Aufbereitung.

Mehr zur Planung kompletter Anlagen finden Sie im Bereich Drucklufttechnik:
https://www.schmid-industrie.de/drucklufttechnik/

Warum die richtige ISO-8573-Klasse Kosten und Prozesssicherheit beeinflusst

Eine zu niedrig angesetzte Druckluftqualität kann Prozesse, Produkte oder Audit-Anforderungen gefährden. Umgekehrt verursacht eine unnötig hohe Qualitätsanforderung zusätzliche Kosten.

Mehr Filterstufen oder eine aufwendigere Trocknung erhöhen zunächst den Investitionsaufwand. Außerdem entstehen Wartungskosten und zusätzliche Druckverluste. Deshalb bedeutet „bessere“ Druckluft nicht automatisch eine bessere Anlagenplanung.

Wir beginnen bei solchen Projekten daher nicht mit der Frage: „Welchen Filter brauchen wir?“

Stattdessen klären wir zuerst:

Welche Qualität verlangt der Prozess? Gibt es Vorgaben aus einem Audit? Macht der Maschinenhersteller konkrete Angaben? Plant der Betrieb künftig eine Zertifizierung oder ein Audit? Und benötigen wirklich alle Verbraucher dieselbe Qualität?

Erst danach legen wir die Aufbereitung aus.

Was bedeutet Druckluftqualität 1:2:1 nach ISO 8573?

Bei einer Angabe wie Klasse 1:2:1 nach ISO 8573-1 stehen die drei Werte nacheinander für die Anforderungen an Partikel, Wasser und Öl.

Genau deshalb hilft die Aussage „Wir brauchen ölfreie Druckluft“ allein nur begrenzt weiter.

Ein Lackierbetrieb kann zum Beispiel andere Anforderungen haben als ein Lebensmittelbetrieb oder ein Pharmaunternehmen. Außerdem beschreibt der Ölanteil nur einen Teil der gesamten Druckluftqualität.

Auch die Feuchte spielt eine entscheidende Rolle. Besonders bei Adsorptionstrocknern und bei Anwendungen mit Öldampfadsorbern muss die Druckluft ausreichend trocken sein. Deshalb beobachten wir hier unter anderem den Drucktaupunkt.

Bei empfindlichen Anwendungen müssen folglich Kompressortechnik, Aufbereitung, Rohrleitung und Messstelle zusammenpassen.

Weitere Informationen zur Erzeugung und zum Betrieb der Druckluft finden Sie unter Kompressortechnik:
https://www.schmid-industrie.de/kompressortechnik/

So planen wir Druckluftqualität nach ISO 8573 vom Verbraucher rückwärts

Am einfachsten ist die Planung, wenn ein Kunde seine Anforderungen konkret vorgibt.

Ein Beispiel wäre:

An einer besonders kritischen Stelle wird Klasse 1:2:1 benötigt. Für das übrige Netz reicht dagegen eine weniger anspruchsvolle Klasse.

Fehlt eine solche Vorgabe, klären wir gemeinsam den Prozess. Dabei betrachten wir unter anderem Produktkontakt, Maschinenanforderungen, bestehende Auditvorgaben und mögliche zukünftige Audits.

Anschließend prüfen wir die vorhandene Druckluftstation, Filterung, Trocknung und das Rohrnetz. Erst dann entscheiden wir, welche Grundqualität zentral sinnvoll ist und ob einzelne Verbraucher eine zusätzliche Aufbereitung benötigen.

In einem konkreten Projekt planten wir beispielsweise Klasse 1:4:1 als Grundluft. Nur an einer besonders kritischen Stelle benötigte der Kunde Klasse 1:2:1. Dort ergänzten wir einen Adsorptionstrockner.

Dadurch mussten wir nicht das komplette Druckluftnetz auf die strengere Wasserklasse auslegen.

Warum die Druckluftqualität direkt am Verbraucher entscheidend ist?

Eine Messung direkt hinter der Druckluftaufbereitung beantwortet nicht automatisch die Frage, welche Qualität tatsächlich am Verbraucher und unter umständen am Endprodukt ankommt.

Zwischen Station und Produktionsmaschine können schließlich 100 oder 200 Meter Rohrleitung, zahlreiche Abzweige und ältere Leitungsabschnitte liegen.

Gerade alte Stahlleitungen können durch Korrosion und Partikelabrieb die Druckluftqualität beeinflussen. Aluminium und Edelstahl sind aus unserer Erfahrung sehr geeignete Werkstoffe für anspruchsvolle Druckluftnetze. Auch C-Stahl kann wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn der Betreiber die erforderliche Druckluftqualität – insbesondere hinsichtlich Feuchte – zuverlässig einhält.

Deshalb berücksichtigen wir bei der Bewertung nicht nur die Station, sondern auch den Weg der Druckluft bis zum Verbraucher.

Druckluftqualität messen: An Station oder an Endstelle?

Der richtige Messpunkt hängt davon ab, was Sie überprüfen möchten.

Bei einer Wartung messen wir zum Beispiel den Taupunkt nach dem Kältetrockner. Damit prüfen wir, ob der Trockner seine Aufgabe erfüllt.

Soll dagegen die Druckluftqualität eines kritischen Produktionsprozesses nachgewiesen werden, muss die Messstrategie auch die relevante Entnahmestelle berücksichtigen.

Wir messen selbst Partikelzahl, Restfeuchte, Ölgehalt und Keimbelastung. Anschließend wertet ein Messlabor die Ergebnisse aus und erstellt bei entsprechender Aufgabenstellung ein auditfähiges Zeugnis über die erreichte Druckluftqualität.

Damit erhält der Betreiber nicht nur eine Momentaufnahme an der Station, sondern kann die für seinen Prozess relevante Druckluftqualität dokumentieren.

Permanente Taupunktüberwachung kann Prozesse zusätzlich absichern

Bei besonders sensiblen Anwendungen reicht eine gelegentliche Messung nicht immer aus.

Deshalb kann unser SmartAir-System den Taupunkt permanent überwachen. Überschreitet der Messwert einen festgelegten Grenzwert, verschickt das System automatisch eine Warnung oder Störmeldung per E-Mail.

Darüber hinaus können wir projektspezifisch Kugelhähne ansteuern. Dadurch lässt sich ein betroffener Prozess bei kritischer Druckluftqualität automatisch absperren.

Auch Energiespar-Kältetrockner lassen sich in entsprechende Überwachungskonzepte einbinden. So kann SmartAir beispielsweise einen Grundlastwechsel unterstützen und dadurch die Betriebsweise der Aufbereitung an den tatsächlichen Bedarf anpassen.

Welche Angaben brauchen wir für die passende Druckluftqualität?

Vor einer Auslegung sollten mindestens fünf Fragen beantwortet werden:

FrageBedeutung
Welche ISO-8573-Klasse benötigt der Prozess?Definiert Anforderungen an Partikel, Wasser und Öl
Wo wird diese Qualität benötigt?Verhindert unnötige Aufbereitung des gesamten Netzes
Wo soll die Qualität gemessen werden?Trennt Anlagenkontrolle vom Nachweis am Verbraucher
Gibt es Auditvorgaben?Beeinflusst Messumfang und Dokumentation
Wie sieht das vorhandene Rohrnetz aus?Material, Länge und Zustand können die Qualität beeinflussen

Gerade bei bestehenden Anlagen lohnt es sich deshalb, nicht nur auf Kompressor und Filter zu schauen. Rohrnetz, Aufbereitung und tatsächlicher Nutzungspunkt gehören gemeinsam bewertet.

Informationen zu Wartung, Aufbereitung und Anlagenkontrolle finden Sie auch in unserem Bereich Druckluft-Service:
https://www.schmid-industrie.de/drucklufttechnik/druckluft-service/

Häufige Fragen zu ISO 8573 und Druckluftqualität

Reicht ein ölfreier Kompressor für Druckluft nach ISO 8573?

Nein. Die Verdichtungsart ist nur ein Teil des Systems. ISO 8573-1 betrachtet Partikel, Wasser und Öl. Außerdem können Aufbereitung, Rohrnetz und Betriebsbedingungen die Qualität beeinflussen. Entscheidend ist daher die geforderte Reinheitsklasse am relevanten Nutzungspunkt.

Wo sollte man die Druckluftqualität messen?

Das hängt vom Zweck der Messung ab. Für eine Funktionskontrolle kann ein Messpunkt hinter dem Trockner sinnvoll sein. Soll dagegen die Qualität für einen kritischen Produktionsprozess nachgewiesen werden, muss das Messkonzept die relevante Entnahmestelle berücksichtigen.

Muss jede Druckluftleitung in meiner Firma dieselbe ISO-Klasse erreichen?

Nein. Unterschiedliche Verbraucher können unterschiedliche Anforderungen haben. Deshalb kann eine zentrale Grundaufbereitung mit zusätzlicher lokaler Aufbereitung sinnvoll sein. Ob dieses Konzept passt, hängt jedoch von Volumenstrom, Qualitätsanforderung, Rohrnetz, Prozess und Auditvorgaben ab.

Fazit: Druckluftqualität nach ISO 8573 gezielt definieren

Druckluftqualität nach ISO 8573 sollte nicht nach dem Prinzip „so sauber wie möglich“ geplant werden. Entscheidend ist vielmehr: so sauber wie für den jeweiligen Prozess erforderlich.

Definieren Sie deshalb zuerst Qualitätsklasse, Nutzungspunkt und gewünschten Nachweis. Sind diese Angaben noch unklar, prüfen wir gemeinsam Prozess, Rohrnetz, Aufbereitung und Audit-Anforderungen und entwickeln daraus ein technisch und wirtschaftlich passendes Aufbereitungs-Konzept.

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